“Yoga im Alltag bedeutet für mich, achtsam zu sein”


Interview mit Yoga- und Pilateslehrerin Ramina Puzicha


Für unser erstes Influencer-Interview haben wir uns mit der Berliner Yoga- und Pilateslehrerin Ramina Puzicha getroffen. In dem persönlichen Interview erzählt sie, wie sie ihre Liebe zu Yoga und Pilates entdeckt hat, wie ihr persönlicher Trainingsplan aussieht und worauf es ankommt, wenn man nur wenig Zeit für eine persönliche Praxis hat.  


Erzähl uns etwas über dich. Wer bist du? In welchem Bereich arbeitest du?


Ich bin Ramina und unterrichte Yoga und Pilates in Berlin. Nebenberuflich arbeite in einem IT-Unternehmen für Medizintechnik und programmiere schöne und aufwendige Sachen.


Wie hast du Yoga und Pilates für dich entdeckt? Wie sah dein Leben vorher aus? Gab es ein einschneidendes Erlebnis, durch das du zum Yoga gekommen bist?


Das erste mal habe ich Yoga während meines Auslandssemesters in Sydney ausprobiert. Damals musste ich lachend aus der Klasse rauslaufen, weil mir dieser ganze “Esokram”, nämlich diese Energie- und Atemübungen, lächerlich erschienen. Danach habe ich Yoga für 3 Jahre vergessen. Als ich nach ein paar Lebenswendungen (Scheidung, Kündigung meines Jobs und eine existenzielle Krise) in Buenos Aires gelandet bin, trat Yoga nochmal in mein Leben. Aber sehr vorsichtig, man könnte fast sagen „es hat sich eingeschlichen“. Viele Freunde haben mich sanft an  Yoga herangeführt und ich schloss mich ihnen an (dieser Gruppenzwang). Nach und nach fand ich als die ehrgeizige Person die ich bin die physische Herausforderung in den Asanas höchst motivierend. Ich wusste wohin ich muss, das Ziel war klar, und ich wusste, was ich dafür tun muss. Doch später merkte ich: Es ist mehr als das. Yoga kann alles sein: Motivation, Feuer, Kraft, aber auch Ruhe, Gelassenheit und Loslassen. Das Letztere war eher schwieriger für mich zu lernen, aber es war bereichernd.


Und wann kam Pilates dazu?  


Pilates kam erst später, nämlich nach einer Rückenverletzung. In der King Pigeon Position habe ich einen Muskel verletzt und musste zu Osteopathen und Physiotherapeuten gehen, bekam Massagen und Fango-Packungen etc. Jedoch hat nichts von all dem geholfen. In dieser Phase fing ich an, Pilates zu üben. Ich trainierte tiefe intrinsische Muskeln, isolierte und integrierte Bewegungen, ich lernte wie ich meine Lende durch Beckenstabilisation schützen kann, und eines Tages, als ich den Krieger 1 machte, geschah ein Wunder: Die Schmerzen waren nicht mehr da. Seitdem bin ich überzeugt von Pilates.

Welche Lehrer/ Personen haben dich beeinflusst? Gibt es Vorbilder?


Ich habe keine Vorbilder, oder besser gesagt, mich inspirieren Personen immer für eine bestimmte Zeit. Es gibt einige Frauen, auch Lehrerinnen, die für mich das Weibliche verkörpern, wo ich denke „Wow, so möchte ich auch mal sein!“. Jasmin Kassem von Soul Yoga ist zum Beispiel so eine Frau. Wenn Sie in einen Raum reingeht, dann erstrahlt der Raum von ihrer kraftvollen, mutigen und weiblichen Energie. Mich inspirieren Menschen, bei den ich die Breite der Seele spüre, wenn ich merke, sie nehmen sich selbst bedingungslos an und deshalb können sie auch die anderen so akzeptieren, wie sie sind. Das ist eine große Kraft.

Was liebst am meisten an Yoga und was hat sich für dich verändert, seitdem du Yoga machst?


Yoga ist für mich Zeit mit mir selbst. Egal, was da ist, ob ich gestresst, ängstlich oder unruhig bin, jede Emotion, jedes Gefühl ist willkommen und zeigt sich in einzelnen Momenten der Praxis. Beim Yoga gebe ich diesem Gefühl Freiraum, ich lasse es hereintreten und biete ihm meine volle Aufmerksamkeit. Auch, wenn es manchmal schwer ist, und sogar Tränen kommen, meine Erfahrung ist, dass das Gefühl sich immer transformiert – nach dem Höhepunkt nimmt die Intensität ab, und dann kommt die Ruhe. Manchmal scherze ich, Yoga hilft mir das schnelle Berliner Leben zu überleben. :-)


Wie sieht deine persönliche Morgenroutine aus?


Ich stehe sehr früh auf, um circa 6 oder 7 Uhr. Normalerweise gehe ich auch früh ins Bett, um circa 22 Uhr. Das erste am Morgen sind ein Glas warmes Wasser mit Zitrone und Himalaya-Salz und meine Enzyme. Danach mache ich eine kleine Praxis, oft nur 20-30 Minuten lang, um die Gelenke aufzuwärmen und Muskeln zu dehnen (eine vollständige Yoga- oder Pilates-Einheit mache ich gerne Abends vor 20 Uhr). Nach dem kurzen Yoga Flow esse ich mein ausgiebiges Frühstück, was meistens hauptsächlich aus gesunden Fetten besteht: Avocado auf einem Buchweizenknäckerbrot und Beeren mit Kokosnussjoghurt. Dazu ein halb-entkoffeinierter Espresso muss natürlich immer sein! Meistens lese ich dabei einige Blogs aus der Medizin- und Ernährungswelt und danach beginne ich mit meiner Arbeit.

Und wie sieht dein wöchentlicher Trainingsplan aus? Wie oft praktizierst du Yoga?


Wenn ich mich gut und völlig gesund fühle und insbesondere bis zu dem 21. Tag meines Zyklus, dann trainiere ich 4-6 mal pro Woche mit eher herausfordernden Übungen. In der letzten Phase des Zyklus trainiere ich weniger und bevorzuge eher meditatives Yin Yoga. Manchmal liege ich einfach auf meiner Matte und mache Yoga Nidra, was ich am schwierigsten finde. Ich tue immer das, wonach es meinem Körper und Geist im Moment ist. Oft besuche ich auch den Unterricht anderer Lehrer, um eine Inspiration für mein Leben und meinen Unterricht zu finden.

Nach und nach verstehe ich die Richtigkeit der Aussage, dass jeder Mensch anders ist. Zurzeit wende ich das Autoimmunprotokoll an und vermeide jegliche Allergene wie Gluten, Casein, Eier und Lektine, also Nüsse und Hülsenfrüchte. Ich esse viel grünes Gemüse jeglicher Art, zweimal die Woche Biofisch, Knochenbrühe und Früchte mit einem niedrigen glykämischen Index, Kimchi und Kokosjoghurt, viele Avocados und gesunde Fette.

Ich denke, man sollte gut wissen, worauf man allergisch ist. Die Allergie bleibt manchmal auch unbemerkbar. Umso wichtiger ist es deshalb zu wissen, was man täglich isst, um seinem Körper auf lange Sicht nicht zu schaden. Ich habe viele Ernährungsweisen hinter mir: vegan, vegetarisch, Rohkost, Paleo, Keto. Immer mehr glaube ich jedoch daran, dass die Ernährungsweise nach dem eigenen Gesundheitszustand personalisiert sein sollte.

Für mich ist die Nahrung Medizin. Aber ab und zu esse ich auch „Ungesundes“ wie Vanilla-Eclair, wenn ich Lust auf Süßes habe, oder Büffelmozzarella mit schöner Ciabatta, Olivenöl, Balsamico und Meersalz.

 

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Herausfordernd-erforschend-meditativ.

Was bedeutet Yoga für dich im Alltag?


Yoga ist für mich mit Achtsamkeit zu vergleichen. Ich mag keine Dogmen und ich habe keine Gurus. Also ist am ehesten noch Krishnamurti mein Guru, welcher sagte: „Du bist dein eigener Guru!“, zusammen mit mir selbst... :-D

Yoga im Alltag bedeutet für mich, achtsam zu sein mit den eigenen Gedanken, zu erkennen, dass die Gedanken eine große Kraft haben. Durch sie können wir uns selbst motivieren oder runterziehen, durch sie können wir jede Emotion transformieren und unsere eigene Wünsche erfüllen. Yoga im Alltag ist für mich aber auch die Annahme des Selbst, egal in welchem Zustand dieses ist, zu spüren und zu leben.


Stelle dir vor, du könntest den Zauberstab schwingen. Wie würde dein perfekter Tag aussehen? (Wo bist du, was machst du?)


Ich würde irgendwo aufwachen, wo es warm ist, idealerweise in einer unmittelbaren Nähe eines Ozeans. Ich würde wie gewohnt meine Morgenroutine machen und dann würde ich den Tag damit verbringen, Menschen etwas weiterzugeben, was sie ein Stückchen näher an eine gesunde und glückliche Lebensweise bringt, sei es Pilates oder Yoga, oder in der Zukunft noch etwas anderes. Ich würde mich eine bestimmte Zeit lang am Tag weiterbilden und die Zeit für jene Themen investieren, die mich interessieren. Abends würde ich gerne mit meiner Familie, meinen Kindern und meinem Liebsten verbringen, mit viel Lachen, essen, kuscheln und reden.

Was empfiehlst du unseren Lesern, um die Motivation aufrecht zu erhalten und am Ball zu bleiben? Gerade jetzt am Anfang des Jahres haben viele Menschen Vorsätze, aber nur ein Bruchteil der Vorhaben wird tatsächlich umgesetzt.


Vorsicht mit Vorsätzen! Bevor du dich auf einen Weg begibst, spüre nach, ob das dein eigener Wunsch ist und ob du es wirklich so sehr willst. So kannst du dir eine Menge Arbeit sparen. Das war etwas sarkastisch gemeint, aber falls du dir wirklich sicher bist, dass etwas dein Wunsch ist, dann nutze den rationalen Verstand und formuliere aus dem Wunsch ein Ziel. Breche dieses auf kleine Schritte herunter und fange dann mit der Umsetzung an und bleibe am Ball. Wenn du müde bist, dann erhole dich, wenn du keinen Enthusiasmus verspürst, dann suche dir eine Motivation. Und mache immer Check-Ups: Wie aktuell ist dieser Wunsch noch? Du schaffst es!


Und was empfiehlst du, wenn jemand nur sehr wenig Zeit hat, aber trotzdem etwas für seine Gesundheit und das eigene Wohlbefinden tun will (z.B. aufgrund von Kleinkindern, Job etc.)?


15-30 Minuten am Tag findest du bestimmt für dich, alles andere sind Ausreden. Eine Yoga- oder Pilates Praxis muss nicht lang sein, dafür aber effizient. Stelle dir ein Programm zusammen, was genau auf deine Ziele abgestimmt ist, sozusagen die Essenz. Wenn du dich nicht auskennst, dann suche dir einen Lehrer, der dir dabei hilft. Ich empfehle immer, den Tag mit einer Yoga- oder Pilates-Einheit anzufangen – so startet man richtig und ist dann motiviert, den kompletten Tag „gesund“ zu verbringen. Und achte im Laufe des Tages auf deine Gedanken, beobachte sie, so lernst du eine Menge über dich.

Was sind typische Fehler, die du bei Anfängern im Yogaunterricht beobachtest bzw. welche Dinge können dem Erfolg im Weg stehen? Was rätst du deinen Schülern, wenn du diese Fehler beobachtest?


Achte auf deinen unteren Rücken. Leider sehe ich oft, auch bei fortgeschrittenen Yoga-Praktizierenden, eine Hyperlordose, also ein Hohlkreuz. Auf lange Sicht ist das gefährlich und kann später zu Ischias-Problemen und diversen Nerveneinklemmungen führen. Lerne, dein Becken zu stabilisieren, indem du eine neutrale Position des Beckens verstehst.

Versuche nicht, so schnell wie möglich in eine Asana, ob es Kopfstand oder Krähe ist, zu gelangen. Der Weg dahin ist spannend, nicht das Ziel. Was ist, wenn du es kannst? Und dann? Auf dem Weg lernst du eine Menge über dich selbst, deinen Körper und das Leben allgemein. Nimm dir Zeit.


Was ist dein persönlicher Wunsch für das Jahr 2019?

Mehr Achtsamkeit, weniger Wollen, mehr Zulassen, mehr Sein.


Was würdest du unseren Lesern für das Jahr 2019 gerne mit auf den Weg geben (eine wichtige Einsicht, einen Tipp)?



Du bist vollständig und schön genau so, wie du bist und genau dort, wo du bist. Erkenne die Fülle und Schönheit des einzelnen Moments und genieße ihn mehr. Es geht nicht ums Einkommen, sondern um das Sein.

Vielen Dank für das Interview!


Mehr Infos zu Ramina und ihren Kursen gibt es auf ihrer Webseite http://raminara.com/

Oder auch auf Instagram: https://www.instagram.com/raminara_

- Fotos: Yuliya Boyd, Leon Kopplow

 

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